Luka kocht weiter.
Schön, dass du wieder da bist!
Heute schreibe ich Dir von einem kalten Sonntagsspaziergang, einer Diskussion über Bierpreise im Braugasthaus und einer ganz besonderen Weinprobe, bevor wir zusammen einen Sirup kochen, aus denen Du eine schöne, gelbe Brause sprudeln kannst.
Der Februar ist schon mal fast rum, für mich ist er immer eine „Schware Partie“, wie es mein Freund Dr. Alois formulieren würde. Er ist das letzte Stück vom Winter, dessen Ende wir herbeisehnen, so mancher schüttet sich mit Arbeit zu, um keine Zeit für Antriebslosigkeit zu haben. Am Wochenende haben wir einfach trotzdem einen großen Spaziergang gemacht, der uns auch zu einem Braugasthaus führte, das Markus betreibt, den ich von früher kenne, als ich noch Wirtin war und Markus ein Braumeister ohne eigene Produktionsstätte. Heute braut er in einem großen Restaurant mit Blick auf die Weser. Wir tranken im Braugasthaus ein Nordisch Hell und ein Kräusen am Tresen, weil alle sehr aufgeregt waren, welcher Tisch nun reserviert sei und welcher nicht – solche Tage gibt es. Dr. Alois konnte es kaum fassen, dass man für ein Nulldreier über vier Euro zahlen sollte und ich versuchte zu vermitteln, dass das keine Fanta sein, sondern ein Handwerksprodukt: „Siehst Du, da vorne sind die Kessel zu sehen“. Ich gab eins aus und fand es vorzüglich, aber ich hatte auch den Vorteil mit der Nostalgie. So genoss ich mein handwerklich gemachtes Helles ohne das Gefühl, dass es teuer sei, denn für was für einen Blödsinn gibt man sonst vier oder fünf Euro aus. Und man muss ja auch von diesem nicht gleich drei Liter trinken.
„Was darf denn ein Bier kosten und wer setzt die Grenzen? Wissen die, wie das gemacht wird? Was ist mit Wein?“, fragte ich. „Weiß ich nicht, aber das ist zu viel“, sagte mein Freund, der allgemein sehr großzügig ist und mich und seine Fußballfreundin zu seinem Geburtstagsessen in ein feines Restaurant eingeladen hat, für einen Betrag, für den ich sehr viele Möhren in feine Streifen hätte schneiden müssen. „Es kommt doch auf das schöne Erlebnis an“, sagte er – mit Recht. Und ich finde auch auf die Anlässe. Muss ich für ein Event sehr viele Liter und eine gewisse Unerschöpflichkeit einkalkulieren (das gilt auch, wenn das Event nur mit mir selbst stattfindet), dann bin ich mir nicht zu schade, ein ordentliches Industriebier zu trinken oder auszuschenken. Wo ich mir aber einen Zacken aus der Krone breche, ist alles um die Zuckerbrause herum, darum haushalte ich weder Energydrinks noch Cola, obwohl mein Freund Dr. Alois, der nur am Wochenende kommt, das manchmal gerne tränke. Einmal brachte ich aus dem Sonderangebot ein Fläschchen Geschmackszeug mit, das man in sein selbst aufgesprudeltes Wasser geben kann. Das fand er gut, sodass ich losging, um das Sortiment aufzustocken. Ich stellte fest, dass ein Fläschchen, das weniger Volumen als eine Zigarettenschachtel hat, regulär acht Euro kostete. Das finde ich wiederum zu viel für etwas, wo man gar nicht weiß, was drin ist. Darum, und weil hier gerade sensationelle Zitrusfrüchte aus Sizilien liegen, habe ich aus den Schalen „Phantasierup“ gemacht, unten steht, wie. Phantasie, dieses Wort, das früher noch nicht mit F geschrieben wurde, hat im zweiten Weltkrieg den Erfinder der Fanta inspiriert, die wir heute als Orangenlimonade kennen, die damals aber ein Cola-Ersatz aus Molke und Obstresten war, den man entwickelt hatte, weil die Rohstoffe für die Coca-Cola-Herstellung nicht lieferbar waren – wusstest Du das?
WEINPROBE zum Weltfrauentag

Vorher möchte ich Dich aber noch auf eine Online-Veranstaltung hinweisen, die am Samstag, dem 8. März stattfindet. Zusammen mit der Winzerin und Winzertainerin Eva Vollmer aus Mainz gibt es eine geführte Verkostung von fünf Zukunftsweinen. Eva keltert sie aus neuen Rebsorten, die besser für da Klima sind als die herkömmlichen, weil sie weniger Dünger und Pestizide brauchen. Protagonistwein ist meine Spezialität: statt erst ein Menü zu schreiben und dann die Weine auszuwählen, lasse ich zuerst den Wein sprechen. Es wird ein sehr dynamischer Tasting-Talk, die Probierkiste reicht für bis zu acht Personen. Alles Weitere und den link zur Box gibt es hier: https://www.evavollmer-wein.de
Prost, Guten Appetit und liebe Grüße vom Herd!
Eure Luka
P.S.: Den enthalte ich Euch sicher auch nicht vor – vielleicht seid Ihr ja mal in meiner Stadt und wollt beim ehemaligen Kelloggs-Gelände Bier aus Bremer Hopfen probieren:
Die Bremer Braumanufaktur mit dem Hopfenfänger, schöne Grüße an Markus Freybler! https://www.bremer-braumanufaktur.de
Aber hier erstmal Eure Limo-Basis.
Phantasierup – Substanz für gelbe Brause mit dem Wissen was drin ist
Ja, es ist Zucker drin, sonst wird der Sirup nicht haltbar. Ich habe nur die Schalen genommen, die Filets habe ich anderweitig verwendet – Ihr könnt natürlich auch ganze Früchte nehmen, dann wird es etwas weniger bitter.

- Schale (nicht Abrieb) von 4 Orangen mit essbarer Schale
- 200 g Zucker
- 1 l kaltes Wasser
- 1 Vanillestange, ausgekratzt
- ½ Zimtstange
- 2 Scheibchen Ingwer, Du kannst auch Nelke oder Kardamom dazunehmen
Alles in einem großen Topf zum Kochen bringen, mehrere Stunden oder über Nacht zimmerwarm ziehen lassen. Wieder erhitzen, durch ein Sieb geben und in heiße, sterile Flaschen füllen. Zum Verzehr den kalten Sirup mit Sprudelwasser auffüllen, wir verwenden es etwa 1:10, wer es süßer mag, erhöht. Für mehr Frische kannst Du durch Zitrone ergänzen, ich finde es aber schöner, wenn ich den Zitronensaft am Ende frisch mit dem Wasser ins Getränk presse.
Alternative: Du kannst nach Entfernen der Gewürze auch die Schalen im Wasser pürieren und in Gläser einwecken, dann hat Du eine dickere Substanz, für Desserts, zum Backen oder aufs Frischkäsebrot.

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